Heute schon gedetoxt? - ProErnährung // Ernährungsberaterin, Diätologin in Linz und St. Martin im Mühlkreis
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Heute schon gedetoxt?

Von Andrea, 4. April 2018

Mit dem ersten Vogelgezwitscher kommen auch die Beiträge über Fasten und Entschlackung. Das nehme ich zum Anlass um ein paar Worte dazu zu schreiben.

Das Ziel von „Entgiftungsdiäten“ und „Entschlackungskuren“ liegt in einer Reinigung und Entlastung des Körpers. Wobei man die Auswirkungen nicht nur auf den Körper beschränken sollte. An sich ist eine bewusste Phase der Ernährung oder auch eine Entlastung eine sehr sinnvolle Sache. Was mich mittlerweile aber schon seit 14 Jahren stört, ist die Aussage, dass wir unseren Körper von „Schlacken“ befreien sollten und so aufgenommene Gifte (Umwelt, Stress, Ernährung) mit Fastenkuren loswerden müssen. Von wissenschaftlicher Seite ist eine Reinigung des Körpers von Schadstoffen nicht nötig. Ein gesunder Körper kann sich selbst „reinigen“. Dazu dienen Nieren, Leber, Haut, Darm und die Atmung. (Quelle: Wipplinger et al. 2017) Nicht zu vergleichen mit echten Vergiftungen z.B. mit Medikamenten oder Schlangenbisse usw.

Positive wie negative Auswirkungen des Fastens* (eine kleine Auswahl)

*Fasten kann man auf unterschiedlichste Weise. Von Saftenkuren die meist 7-10 Tage dauern oder einzelne Entlastungstage, die Formen sind vielfältig.

  • Fasten mit Gemüse und Obstsäften

Die Theorie mit säure- und basenbildenden Lebensmitteln ist nicht belegt. d.h. unser gesunder Körper hat hier Regulationsmechanismen um mit anfallenden Säuren umzugehen. Der positive Aspekt ist für mich aber, dass man mit gelegentlichen Safttagen die Gesamtkalorienzufuhr einschränkt und die Zufuhr an Obst- und Gemüse steigert. Nachteilig ist, dass Obst und Gemüse in flüssiger Form weniger sättigend wirken, nicht die volle Menge Vitaminen und Mineralstoffen liefern (Schale) und der mitgelieferte Fruchtzucker den Blutspiegel in flüssiger Form schneller beeinflusst.

  • Beginn eines neuen Lebensstils

Fasten kann aber auch ein Einstieg in einen gesünderen Lebensstil sein. Auf Dauer streng zu fasten ist aber nicht empfehlenswert. Das kann zu Nährstoffmängel führen und somit die Muskulatur des Körpers verringern. Generell möchte ich erwähnen, dass Fasten nicht für jede Person empfehlenswert ist. Kinder, Jugendliche, Schwangere und Stillende, ältere Menschen oder Personen die erkrankt oder erst in Rekonvaleszenz sind, sollten nicht fasten. Falls Sie regelmäßig Medikamente einnehmen, fragen Sie vor einer Fastenkur unbedingt vorher Ihren Arzt, ob sie dies gefahrlos tun können!

  • Schneller Gewichtsverlust durch Fasten

Der Gewichtsverlust im kurzen Fastenzeitraum ist meist auf einen Wasserverlust zurückzuführen. Eine sehr starke Einschränkung der Nahrungszufuhr kann den Grundumsatz senken und das wiederum den Jo-Jo-Effekt begünstigen.

  • Fasten und Darmgesundheit

Es gibt Studien die darauf hinweisen, dass wir mit Fasten auch unserem Darm etwas Gutes tun können. Die Erforschung des Mikrobioms ist aber noch nicht so weit um konkrete Empfehlungen für Fastenarten und Dauer geben zu können.

Fazit

Gelegentliches Fasten ist für gesunde Personen (Ausnahmen siehe Punkt Lebensstil) grundsätzlich kein Problem. Strenges und vor allem längeres Fasten würde ich nicht empfehlen, weil darunter meist unser Grundumsatz leidet und somit der Jojo-Effekt schnell am Plan steht. Zur Gewichtsreduktion gibt es bessere und vor allem längerfristige Möglichkeiten.

Was auf jeden Fall eine positive Fasten-Möglichkeit ist, sind sogenannte Ausgleichstage. Tage an denen man bewusst auf Alkohol, Süßigkeiten oder Fleisch, Wurst usw. verzichtet und viel Gemüse und Obst zu sich nimmt, nur Wasser oder Tees trinkt und so die Kalorienzufuhr einschränkt und dem Körper ganz bewusst gesunde Lebensmittel bietet. Das tut Körper und Geist gut!