Der Quetschie-Wahn - ProErnährung // Ernährungsberaterin, Diätologin in Linz und St. Martin im Mühlkreis
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Der Quetschie-Wahn

Von Andrea, 20. Oktober 2016

Kennen Sie diese Situation: Sie gehen mit Ihren kleinen Kindern einkaufen. Sie haben es erfolgreich am Backshop vorbei geschafft und nehmen die Gerade zum Obst und Gemüse. Die Kindern werden unruhiger, weil sie auf der anderen Seite die Süßigkeiten sehen. Sie können sie ablenken und arbeiten sich bereits bis zu den Milchprodukten vor. Das Schokolinsen-Joghurt im Visier, quengeln die Kinder erfolgreich und Ihre Nerven liegen schon etwas blank. Auf der Kassa-Zielgeraden passiert es dann doch. Während man im Eiltempo die Waren aufs Band legt, beginnen die Kleinen aus dem Wagerl zu krabbeln oder mit lautem Gebrüll kund zu tun, dass auf dem Band noch nichts für sie liegt. Gott sei Dank ist das QUETSCHI in greifbarer Nähe. Sogar Bio und besteht aus Obst. Das ist ja genial. Die Kinder „zuzzeln“ (für Nicht-Mühlviertler zuzzeln= nuckeln) an der Obsttüte und die Welt ist wieder in Ordnung. Sie sehen, auch einer Diätologin ist davor nicht gefeit und daher habe ich  mir die Obstpackerl mal näher angesehen.

Was für mich nicht so in Ordung ist, ist die Tatsache, dass Quetschies als Wunderobstsackerl gehandhabt werden. Es ist einfach nur sehr süßes Obstmus und kein Ersatz für die tägliche Obstportion. Der Inhalt der Beutel besteht hauptsächlich aus pürierten Äpfeln, Bananen und Birnen, die mit  Fruchtsaftkonzentraten verdünnt und so „quetschbar“ gemacht werden. Der Zuckergehalt der Tüten ist oft sehr hoch. Auch wenn kein Zucker zugesetzt wird, entsteht der hohe Süßanteil durch den Entzug von Wasser oder die Zugabe von z.B. Apfelsaft- und Traubensaftkonzentrat. So kann es sein, dass im fertigen Produkt der Zuckeranteil um vieles höher ist als in einem Stück Obst. Daher sind Quetschies nicht geeignet um Breie für Babies aufzupeppen.

Ich habe ein paar Gedanken zum Quetschi und dessen Einsatz zusammengefasst:

  • Quetschies sind durch ihre Konsistenz und der Mischung aus verschiedenen Obstprodukten geschmacklich sehr süß. Auch wenn kein extra Zucker zugesetzt wurde, kann es das natürliche Süßempfinden der Kindern täuschen. d.h. Obst muss süßer schmecken um gemocht zu werden. Das ist schade und kenne wir schon von Fruchtjoghurts.
  • Ein genauer Blick auf die Zutatenliste der Produkte lohnt sich. Auf keinen Fall sollte, extra Zucker zugesetzt worden sein. Fruchtextrakt, Dicksaft, Oligofruktose, getrocknete Früchte, Sirup – all diese Inhaltsstoffe sind weitere Möglichkeiten, das Produkt zu süßen, ohne Kristallzucker zuzusetzen.
  • Das Dauernuckeln ist nicht gut für unsere Zähne! In Kombination mit Zitronensäure erhöht dies die Kariesgefahr!
  • Quetschies stellen eine teure Alternative zu Obst dar. Sie sollten die tägliche Portion Obst und Gemüse nicht ersetzen.
  • Es entsteht außerdem eine Menge Müll!

Quetschies sind für unsere Familie eine Süßigkeit und so empfehle ich es auch Klienten, die mich um Info bitten.

Wenn Ihr Nachwuchs auf Obstmus steht, können Sie dies ja auch ohne großen Aufwand selbst herstellen.

Rezept für selbstgemachtes Obstmus (2 Portionen)

1 Apfel (mit Schale) ohne Kerngehäuse, klein geschnitten

1/2 reife Banane

1 ordentliche handvoll Beeren (dürfen auch tiefgekühlt sein)

Apfelstücke mit einem Schuss Wasser so kurz wie nötig dämpfen, Beeren zugeben und erst kurz vor dem Pürieren die Banane hinzufügen.

Pürrieren – fertig!