Natürlich abstillen - warum Kraut & Topfen nicht nur in den Kochtopf wandern - ProErnährung // Ernährungsberaterin, Diätologin in Linz und St. Martin im Mühlkreis
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Natürlich abstillen – warum Kraut & Topfen nicht nur in den Kochtopf wandern

Von Andrea, 29. Mai 2017

Den folgenden Artikel habe ich mit meiner Lieblingshebamme Barbara Mahringer zusammen verfasst. Sie hat mich nach der Geburt meiner zwei Kinder betreut und steht mir auch jetzt immer noch mit Rat und Tat zur Seite. Das Thema Stillen ist so unglaublich vielfältig und vor allem eine tolle Erfahrung, die ich nicht missen möchte. Gleichzeitig gibt es viele Ratschläge, Kritik und Einmischung von anderen Menschen. Daher fand ich es besonders hilfreich, mich immer wieder meiner Hebamme anvertrauen zu können. Wenn dann die Zeit gekommen ist und Mama und Kind oder ein Teil des Gespanns, nicht mehr stillen möchte, können folgende Fragen und Antworten dabei helfen:

  • Wann ist der richtige Zeitpunkt zum Abstillen?

Antwort Barbara (Hebamme)

Der Zeitpunkt zum Abstillen ist sehr individuell zu wählen und sollte nicht von einem Tag auf den anderen erfolgen. Abstillen ist als Prozess zu sehen. Dabei sollte man sich nicht von seinem Umfeld drängen lassen. Der Zeitpunkt kann gekommen sein, wenn Mutter oder Kind nicht mehr wollen. Ein weiteres Kriterium kann eine medizinische Indikation sein (z.B. Krankheitsbedingt, wenn bestimmte Medikamente eingenommen werden müssen, Operationen die das Abstillen notwendig machen. Bei Verordnung eines Medikaments in der Stillzeit kann die Seite www.embryotox.de sehr nützlich sein. Dort findet man Infos bzgl. Anwendung während der Schwangerschaft und Stillzeit. Ein Vorurteil hingegen ist, dass man bei Wiedereinstieg in den Beruf zwingend abstillen muss. Das bleibt eine persönliche Entscheidung.

  • Wie unterstütze ich meinen Körper dabei, weniger Mich zu produzieren und schließlich ganz mit dem Stillen aufzuhören?

Antwort Barbara (Hebamme)

Möchte man die Stillbeziehung beenden, sollte man langsam beginnen, Mahlzeit für Mahlzeit durch Säuglingsnahrung, Brei oder Familienkost (je nach Alter des Babys) zu ersetzen. Pro Mahlzeit, die du weg lässt, solltest du deinem Baby mindestens 1-2 Wochen Zeit geben. So kann sich dein Baby und gleichzeit auch dein Körper an die Veränderung gewöhnen. Deinen Körper kannst du mit folgenden Dingen unterstützen:

  • Salbeitee oder Pfefferminztee trinken
  • kühlende Umschläge mit Topfen oder Weißkohl
  • Schüsslersalze Nr. 10: 2 Tabletten alle Std auf der Zunge zergehen lassen.

Zu den Stillmythen zählt übrigens, dass man die Brust fest einschnüren soll, damit der Körper weniger Milch produziert. Das könnte unter Umständen sogar zu einem Milchstau führen. Vertrau deinem Körper, so wie der Beginn deiner Stillbeziehung nicht von heute auf morgen war, so ist auch das Stillende ein Prozess.

  • Wie lange dauert das Abstillen?

Es gibt hier keine Norm. Am Besten ist es, wenn sich die Milchmenge langsam reduziert und sie sich beide an die neue Situation gewöhnen können. Wenn Sie noch Tag und Nacht stillen, sollten zuerst die Tagesmahlzeiten durch PRE-Nahrung oder Beikost ersetzt werden. Nach und nach werden nur noch die Stillmahlzeiten in der Nacht übrig bleiben. Um die Milch langsam zu reduzieren, kann man z.B. nur kurz Stillen um den Druck in der Brust zu reduzieren und danach mit Topfenumschlägen (Topfen kann man in ein Blatt Küchenrolle geben, somit hält sich die Patzerei in Grenzen) kühlen. Die Kühlung hemmt die Milchbildung und so wird nach und nach weniger Milch produziert. Auch mit kalten Krautblättern kann man sich hier abhelfen. Dazu habe ich einen Weißkrautkopf genommen und die Blätter (ohne Strunk – das könnte sonst zu Druckstellen führen) herunter gelöst und in einem Plastiksackerl im Kühlschrank gelagert. Nach dem Stillen legt man sie dann auf die Brust. Achtung: Brustwarzen aussparen.

Topfen in Küchenrolle einschlagen, Brustwarzen aussparen. Krautblätter ohne Strunk einkühlen und auflegen.

  • Welche Probleme können auftreten?

Antwort Barbara (Hebamme)

Im Abstillprozess kann es zu Spannungsgefühl in den Brüsten kommen, da der Abstand zwischen zwei Stillmahlzeiten jetzt größer ist und sich der Körper erst umstellen muss. Sollten verhärtete oder gerötete Stellen an der Brust auftreten oder sich Krankheitsgefühl einstellen, vor dem Stillen Wärme auflegen (Kirschkernkissen, Stoffwindel mit warmem Wasser, warme Dusche) und dann mittels Brustmassage und anschließendem Ausstreichen, die Brust entlasten. Sollte das Ausstreichen nicht funktionieren, kann man auch eine Handpumpe versuchen oder das Baby nur kurz anlegen (mit dem Kinn des Babies zur verhärteten Stelle). Aber Achtung: Brust nicht zu sehr entleeren, das fördert die Milchbildung! Nach dem die Brust entlastet worden ist, sollte man kühlende Umschläge machen. Mit Topfen (siehe Foto oben), Krautblättern, kühle Tücher. Ganz wichtig ist Stress zu vermeiden und sich genügend Ruhe zu gönnen. Sollten Probleme auftauchen, bei denen du Unterstützung benötigst, nimm Kontakt mit deiner Hebamme bzw. Stillberaterin auf oder konsultiere deine(n) Hausarzt/Hausärztin/Gynäkologen/Gynäkologin.

  • Wie kann ich mit meiner Nahrung den Abstillprozess unterstützen?

Viele Frauen reduzieren beim Abstillen die Trinkmenge um weniger Milch zu produzieren. Das ist ein Irrglaube. Die la leche liga findet hierzu klare Worte: „Viel Trinken füllt die Blase, nicht die Brust. Es reicht völlig aus, wenn Sie in der Stillzeit ganz nach gesundem Durstgefühl trinken. Die Milchmenge selbst wird über häufiges Anlegen, das korrekte Saugen Ihres Kindes und Ihr Hormonsystem reguliert!“ Das heißt ein normales Trinkverhalten ist auch beim Abstillen nicht kontraproduktiv.

Salbei und Pfefferminze können milchreduzierend wirken. Als Tee kann man diese Kräuter verteilt über den Tag trinken. Aber bitte nicht übertreiben. Empfindliche Personen können mit Magenschmerzen oder Verdauungsstörungen reagieren.

  • Welche Getränke bzw. Nahrung ist für mein Baby nach dem Abstillen optimal?

Die Antwort auf die Frage ist stark vom Alter des Babies abhängig. Wenn das Baby bereits Familienkost zu sich nimmt und keine Flaschennahrung mehr benötigt, ist es wichtig, ausreichend Getränke in Form von Wasser und ungesüßten Tees anzubieten. Am Besten aus einem Becher, Glas usw. Zu diesem Thema gibt es weitere Postings – siehe Ernährung für 1-3 Jährige.

Ist das Baby noch kleiner und wird vielleicht nachts noch gestillt, sollte man bei der Auswahl einer Flaschennahrung auf PRE oder max. 1er Nahrung achten. PRE Nahrung ist der Muttermilch am Ähnlichsten und kann bis zum Ende des Flaschenalters gegeben werden! Hier werden Eltern oft sehr verunsichert. Dazu gibts weitere Artikel auf meinem Blog  z.B. Herausforderungen im Beikostalter oder Allergievorbeugung im Beikostalter.

Hebamme Barbara Mahringer

zusätzliche Quellen:

La leche liga  (Infoblatt Mythen und Ammenmärchen rund um das Thema Stillen)

Bundesministerium für Gesundheit (Broschüre Stillen ein guter Beginn)