Nein, meine Suppe ess ich nicht! Wählerische Kinder... - ProErnährung // Ernährungsberaterin, Diätologin in Linz und St. Martin im Mühlkreis
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Nein, meine Suppe ess ich nicht! Wählerische Kinder…

Von Andrea, 9. Juni 2017

Kennen Sie diese Phase, in der ihr Kind sogar die feinsten Fitzelchen Schnittlauch aus der Soße „kletzeln“ oder ständig nur Nudeln ohne Soße essen möchte? Viele Kinder im Vorschulalter sind phasenweise bei der Essensauswahl sehr wählerisch. Das macht die gemeinsame Mahlzeit zum Spießrutenlauf für die Erwachsenen. Einerseits sollte man Kinder nicht zum Essen zwingen, andererseits fürchtet man Nährstoffmängel oder Unterversorgung. Heraus kommt meist Streit, Unmut und Stress auf beiden Seiten.

Meist sind es wirklich nur Phasen. Wenn der Speiseplan sich über Wochen so sehr einschränkt, dass man Mängel vermutet, kann man sich bei der Kinderärztin oder bei einer Diätologin Rat einholen. Auf jeden Fall ist eine große Portion Geduld gefragt und das Vertrauen, dass es auch wieder anders wird. Meist verstärkt sich das Problem nur, wenn man zu viel Druck erzeugt.

Wählerische Kinder beim Essen unterstützen

  • Vorbeugen kann man, in dem man bereits vor der Geburt 😉 Studien zeigen, dass eine besondere Nahrungsvielfalt in der Schwangerschaft, sich positiv auf das Ernährungsverhalten der Kleinen auswirkt. (Bitte jetzt keine Schuldzuweisungen. Der Umkehrschluss gilt hier nicht…)
  • Kinder zwischen 6 Mo und 2 Jahren sind sehr offen für Neues. Nutzen Sie diese Phase und lassen Sie Ihr Kind mit unterschiedlichsten Lebensmitteln Erfahrungen sammeln (ausgenommen bei Erkrankungen, Allergien usw.)
  • Die Ablehnung von Speisen gipfelt in der Kleinkindphase von 2-6 Jahren.
  • Ablehnung ist nicht gleich Ablehnung: Haben Sie bemerkt, dass die Gemüselasagne zu Hause verschmäht wird, im Kindergarten aber einfach sang und klanglos verputzt wird? Das hängt nicht immer an den eigenen Kochkünsten, sondern auch daran, dass in der Gruppe das Essen meist besser klappt. Die Gruppe motiviert…
  • Heikle Phasen können auch  mit Entwicklungsphasen des Kindes zusammen hängen. Das fällt mir bei meinen zwei Kindern immer wieder auf. Da wird etwas nicht gegessen, weils nicht auf einem bestimmten Teller liegt, oder man das Kind füttern möchte und es aber selbst essen möchte.
  • Ermutigen Sie Ihr Kind Dinge zu kosten. Ich persönlich halte das Kosten sehr wichtig. Daher gilt bei uns: Wir kosten grundsätzlich, wenn es nicht schmeckt, muss es auch nicht gegessen werden. Ich koche aber keine zusätzlichen Gerichte – ein Butterbrot reicht im Ernstfall aus 😉 Wenn man solche Familienregeln einführt, muss man das auch als Erwachsener so machen. Meine kleine Tochter (4) hat vor kurzem einen Aufstand gemacht, weil ich gesagt habe, dass ich ihre Gelee-Eier von Ostern  nicht kosten möchte. (Mir graust davor fürchterlich) Sie hat es mir vorgeworfen und gesagt:“Mama, kosten muss man!“ Und die Mama hat gekostet…
  • Selbst kochen erhöht ebenfalls die Akzeptanz von Gerichten oder Lebensmittelgruppen.
  • Nicht aufgeben! Die Lebensmittelakzeptanz kann man positiv beeinflussen, in dem man sie in unterschiedlicher Form immer wieder anbietet. z.B. Obststücke versus ganze Frucht, Lustige Gemüsegesichter auf Brote legen, roh versus gedünstet usw.

Wenn die Ess-Situation trotzdem belastend bleibt, sprechen Sie das Thema mit Ihrem Kinderarzt/Ihrer Kinderärztin durch. Ein Besuch beim Arzt/bei der Ärztin ist auf jeden Fall angesagt, wenn das Kind Essen verweigert, eine ausgeprägte Unlust am Essen hat oder Hunger nie erkennen lässt, sich ständig übergibt oder Durchfall hat und nur bei starker Ablenkung isst.

Neugier und Freude am Essen gewinnen langfristig gesehen. Machen Sie sich dies zu Nutze und geben Sie Ihren Mahlzeiten eine angenehme Atmosphäre.

Mahlzeit!